Beitrag

Logistikmonitor 2018: Deutsche Logistiker blicken positiv auf aktuelle Wirtschaftslage

Die Statista GmbH und die Bundesvereinigung Logistik (BVL) haben pünktlich zum Jahresende ihren gemeinsamen „Logistikmonitor 2018“ veröffentlicht. Basierend auf 379 standardisierten Interviews mit Praktikern aus der Logistikbranche dient die Untersuchung als Pulsmesser und Trendbarometer eines der größten deutschen Wirtschaftsbereiche. Der Bericht zeichnet ein generell positives Bild der aktuellen Marktsituation, identifiziert aber auch einen Mangel an qualifiziertem Personal sowie die noch unzureichende Nutzung neuer Technologien als akute Herausforderungen des Industriezweigs.

Logistikmonitor 2018 prognostiziert steigende Umsätze

In Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung der Branche herrscht generell eine optimistische Grundstimmung unter den deutschen Logistikern. Mehr als drei Viertel der Befragten bewerten die aktuelle ökonomische Situation über alle Unternehmensgrößen und Tätigkeitsregionen hinweg als sehr beziehungsweise eher positiv und erwarten in den nächsten fünf Jahren branchenübergreifend steigende Umsätze. Dies sei vor allem den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verdanken.
Die politischen und infrastrukturellen Gegebenheiten hingegen schneiden unter den befragten Experten deutlich schlechter ab. „[…] Wenn es um Straßen geht, um Schiene geht und um IT geht, […] da ist die politische Entscheidungsstruktur leider momentan zu schwerfällig. […] Man muss immer [durch] alle politischen Ebenen, bis Landes- und Bundesregierung ziehen, um im Endeffekt dann irgendwann mal irgendwo ein Lager bauen zu können“, gibt ein Geschäftsbereichsleiter eines Handelsunternehmens im Logistikmonitor 2018 zu bedenken. Auch die Netzabdeckung und damit die Erreichbarkeit von Lkw und Fahrer seien im Zeitalter der Digitalisierung noch nicht zufriedenstellend.

Neben der positiven Grundstimmung hat das Logistikbarometer folgende Faktoren ermittelt, die in der Branche derzeit eine hohe Relevanz haben:
- Fachkräftemangel
- Transparenz in Supply Chains
- Digitalisierung der Wertschöpfungskette
- Kostendruck

Größte Herausforderung: Fachkräftemangel

Die größte Herausforderung für Logistikdienstleister ist der Mangel an qualifiziertem Personal. Hier besteht aus Sicht der Befragten dringender Handlungsbedarf. Innerhalb der Logistikbranche werden über alle Bereiche hinweg viele Mitarbeiter benötigt – sowohl für operative Routinearbeiten wie Lagerung oder Kommissionierung als auch für fachlich ausgerichtete Aufgaben wie Disposition und komplexe Spezialistentätigkeiten wie Supply-Chain-Management oder Projektmanagement. Dem Großteil der Unternehmen ist es nur mit erheblichem Aufwand möglich, geeignetes Personal zu finden. Neue Mitarbeiter werden vor allem über Online-Stellenbörsen, eigene Unternehmenswebseiten und Mitarbeiterempfehlungen rekrutiert. Printmedien haben für Recruiting-Zwecke in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren und werden nur noch von 26 Prozent der Unternehmen genutzt.

Laut der Experten ist die größte Herausforderung bei Neueinstellungen die fehlende beziehungsweise geringe Qualifikation der Bewerber. Um die Fähigkeiten bestehender Mitarbeiter weiterzuentwickeln, kommen zwar bei 57 Prozent der Unternehmen interne Weiterbildungen zum Einsatz. Jedoch beklagt knapp die Hälfte der Befragten aufgrund von steigendem Auftragsvolumen und Zeitdruck die fehlende Zeit, ihre Mitarbeiter für Weiterbildungen freizustellen. Dies gilt speziell in kleinen Unternehmen, die zusätzlich die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte fürchten.

Ein Drittel der Befragten sieht jedoch auch im Image der Logistikbranche sowie in fehlenden wettbewerbsfähigen Gehaltspaketen Gründe für das Wegbleiben von qualifiziertem Personal. Daher erwarten 85 Prozent der Befragten, dass der Fachkräftemangel in Zukunft stark beziehungsweise eher zunehmen wird.

Wenig Nutzung innovativer Technologien

Ähnlich schwierig ist die Integration innovativer Technologien in die organisatorischen und operativen Abläufe aus. Predictive Analytics, mobiler Datenzugriff für Kunden, Automatisierung und Robotik spielen laut der Experten zurzeit eine besonders wichtige Rolle innerhalb der Logistik und bringen neue Möglichkeiten der Prozessorganisation, Datenverarbeitung und -analyse mit sich. Bisher sind Unternehmen aber eher zurückhaltend, was die Nutzung innovativer Technologien betrifft. In Bezug auf die digitale Transformation bezeichnet allerdings knapp die Hälfte der Experten ihr Unternehmen als Trendsetter oder Innovator. Getrieben werde die Digitalisierung vor allem durch die Endkunden und Originalgerätehersteller.
Vor allem die Anwendung Künstlicher Intelligenz und unternehmensübergreifender Maschine-zu-Maschine-Kommunikation trauen die Experten den deutschen Unternehmen (noch) nicht zu. Auch dem Einsatz von autonomen Landfahrzeuge oder Drohnen schauen die Befragten eher skeptisch entgegen, wenngleich sie diese Technologien derzeit als weniger relevant einstufen.
Hauptgründe für die geringe Anpassungsfähigkeit an Technologien auf Seiten der Unternehmen seien der entstehende Aufwand und die anfallenden Kosten. Zudem hätten sich in vielen Bereichen bislang keine Marktführer beziehungsweise Schlüsseltechnologien herauskristallisiert. „Es geht auch immer um den richtigen Automatisierungsgrad. Also nicht auf Teufel komm raus, alles zu automatisieren, weil am Ende des Tages der Mensch manches tatsächlich besser kann als die Technik“, so ein befragter Geschäftsbereichsleiter eines Handelsunternehmens.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen

Quick Message

Wie kann ich weiterhelfen? Wenn Sie eine telefonische Beratung wünschen, hinterlassen Sie mir gerne auch eine Telefonnummer.

Datenschutz*
Bitte addieren Sie 2 und 2.